Anglizismen — ein deutsches Phänomen?

Eva Schürmann-LanwerAnglizismen, Sprache allgemein

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In der deutschen Sprache gibt es eine Vielzahl von Begriffen, die aus englischen Wörtern gebildet wurden, aber im Englischen so nicht verstanden oder verwendet werden. Zum Klassiker ist das deutsche Handy, das englische mobile phone oder cellphone, geworden.

Die Liste solcher Scheinanglizismen oder -amerikanismen ist lang: Das deutsche Feeling ist das englische body scrub, der Beamer der video projector, das Fitnessstudio das fitness centre oder das gym. In England schaut sich auch niemand eine Casting Show an, sondern es ist die talent Show, die vor den Fernseher lockt.

Wer hierzulande ein öffentliches Ereignis auf einer Großleinwand im Freien mitverfolgen will, geht zum Public Viewing, in englischsprachigen Ländern zum public screening. Gerade dieser Begriff ist tückisch, denn Public Viewing gibt es auch im amerikanischen Englisch. Es bezeichnet die öffentliche Aufbahrung eines Toten.

Scheinanglizismen sind kein deutsches Phänomen. Etwa 40.000 Menschen aus 28 europäischen Mitgliedsstaaten arbeiten in den EU-Institutionen und nutzen in offiziellen EU-Publikationen vermeintlich englische Begriffe, die im Englischen aber gar nicht existieren. Diese Entwicklung einer europäisierten, verformten Variante des Englischen wird auch als EU-Speak bezeichnet.

Einige solcher englisch klingender, aber falscher Wörter wurden in dem Dokument „Misused English Words and Expressions in EU Publications” (2016) zusammengefasst. Die Auflistung zeigt die gängigsten Fehler auf und schlägt alternative und korrekte Bezeichnungen vor.

So existiert planification zum Beispiel im Englischen nicht, taucht in EU-Dokumenten aber regelmäßig auf. Die vorgeschlagene Alternative lautet planning. Auch die Krankenversicherung wird fälschlicherweise immer wieder als sickness insurance statt als health insurance benannt.