Die Endung macht den Unterschied.

Eva Schürmann-LanwerDeutsche Grammatik, Sprache allgemein

Die Sprache in Büchern

Unsere heimischen Adjektive machen es uns heimlich manchmal ganz schön schwer. Und dabei ist jedes sechste Wort des deutschen Wortschatzes ein Adjektiv. Die meisten von ihnen leiten sich aus anderen Wörtern (zum Beispiel Nomen oder Verben) ab. Es bestehen viele verschiedene Möglichkeiten, Adjektive zu bilden. Meistens geschieht das durch Silben, die an das Ende eines Wortstamms gehängt werden, wie hier im ersten Satz zum Beispiel -isch und -lich, die an das Wort Heim geknüpft werden. Im Falle dieser Art der Wortbildung, auch Derivation genannt, entsteht aus einem ursprünglichen Nomen (hier Heim) durch das Anhängen einer Silbe eine neue Wortart. Adjektive können allerdings nicht nur aus Nomen, sondern auch aus Verben und anderen Adjektiven hervorgehen, indem eine Silbe, ein sogenanntes Suffix, angehängt wird. So einfach scheint das Ganze dann allerdings doch wieder nicht zu sein, denn es gibt nicht nur eine Sorte Suffixe, vielmehr zahlreiche verschiedene, die unterschiedliche Bedeutungen aufweisen.

Weitere Nachsilben, die sich neben -lich und -isch mit anderen Wortarten zu Adjektiven verbinden, sind zum Beispiel -bar, -en, -ern, -los, -sam und -haft. Trotzdem ist ihnen selten die gleiche Bedeutung inhärent: Ein Baum ist nicht gewaltsam, nur, weil er gewaltig ist; ein Apfel ist fruchtig (nicht fruchtlich), und nur seine Kerne sind fruchtbar; die Natur ist achtbar, aber kann sie auch achtsam sein?

Wenden wir uns zunächst den drei einander in ihrer Form am stärksten ähnelnden Nachsilben zu: -ig, -lich und -isch.

Adjektive mit -ig bringen zum Ausdruck, dass das, was vom Stamm bezeichnet wird, in irgendeiner Form vorhanden ist. Ein Beispiel lautet: „Draußen ist es ruhig.“ – „Draußen ist Ruhe vorhanden.”

Die Nachsilben -lich und -isch schreiben dem neu entstehenden Adjektiv im Grunde die gleiche Bedeutung zu. Sie sagen aus, dass das folgende Wort in irgendeiner Weise von der Art des Wortstamms ist oder mit ihm zu tun hat: „Die Demonstration verlief friedlich.“ – „Die Demonstration verlief in der Art des Friedens.”

Anzumerken ist, dass sich trotzdem nicht jedes Nomen beliebig mit -lich oder -isch verbinden kann und Wörter, in deren Falle die Adjektivbildung mit beiden Suffixen funktioniert, verschiedene Konnotationen aufweisen. Man vergleiche dazu einmal bäuerlich mit bäurisch, kindlich mit kindisch oder weiblich mit weibisch. Die isch-Version des jeweiligen Adjektivs wird hier abwertend verwendet und hat eine negative Konnotation, bezeichnet aber im Grunde das Gleiche.

Und wie verhält es sich mit anderen Nachsilben?

Wie facettenreich die Suffixe des Deutschen sind, verdeutlicht folgende (wenn auch unvollständige) Liste:

  • Adjektive, die auf -bar enden, nehmen auf eine Handlung Bezug, genauer gesagt auf das, was mit jemandem oder etwas gemacht werden kann: „Dieser Apfel ist essbar.” — „Man kann ihn essen.”
  • -en und –ern verweisen auf den Stoff, aus dem etwas gemacht ist: „Die Krone ist hölzern.” — „Sie ist aus Holz gemacht.”
  • -haft drückt häufig einen Vergleich zwischen der beschriebenen Person oder Sache und dem zugrundeliegenden Nomen aus: „Der Junge benimmt sich babyhaft.” — „Er benimmt sich wie ein Baby.”
  • Kommen wir zu unserem Beispiel mit dem gewaltsamen Baum zurück, stellt sich heraus: –sam beschreibt, dass der Baum von dem Ursprungswort, hier also Gewalt, errullt ist Und von Gewalt erfüllt zu sein, ist eine für einen Baum eher untypische Eigenschaft. (Im Gegensatz dazu kann er aber gewaltig sein, weil in gewisser Weise Gewalt vorhanden ist, bzw. er den Eindruck von Gewalt hervorrufen kann.)

Das Suffix -los ist weitgehend selbsterklärender Art: „Der Text ist makellos.“ – „Er hat keine Makel.”

Wem all das zu kompliziert ist, der kann sich auch auf sogenannte primäre Adjektive beschränken. Diese existieren einfach so und haben selbstständige Bedeutungen, die nicht durch Nachsilben von anderen Wortarten abgeleitet wurden. Dazu gehören zum Beispiel gut, schlecht, alt, jung, wahr, falsch, schlau, dumm, schief und krumm. Anstelle eines Sechstels des Gesamtwortschatzes des Deutschen stehen aber nur etwa 250 Wörter zur Auswahl. Und das ist auf Dauer vielleicht doch ein bisschen langweilig.